Konkurrenten haben Milliardensummen für die Versorgung ländlicher Regionen gezahlt. Der kleinste Mobilfunkanbieter könnte nun der lachende Gewinner sein
In einer überraschenden Entscheidung hat die Bundesnetzagentur die Spielregeln für den Ausbau von schnellen Internet-Zugängen in ländlichen Regionen geändert. Nach Informationen der “Welt” hat der Regulierer einem Antrag von E-Plus stattgegeben, bisher nur für Sprachtelefonie genutzte 900-Megahertz-Frequenzen auch für drahtloses Breitband-Internet freizugeben. Ab sofort darf E-Plus an 25 Standorten auf diesen Frequenzen Internet anbieten. Insbesondere Telefónica O2 zeigte sich “verwundert” über den Entschluss des Regulierers.
Die Entscheidung könnte die 800-Megahertz-Frequenzen entwerten, die von den E-Plus-Konkurrenten O2, Telekom und Vodafone in diesem Jahr für jeweils mehr als eine Milliarde Euro ersteigert wurden. Nur E-Plus war aus dem Bieterrennen um die Frequenzen der digitalen Dividende ausgestiegen, die frei wurden, weil sie von den Rundfunkanstalten nach der Umstellung auf digitale Übertragungswege nicht mehr genutzt wurden. Im Nachhinein könnte E-Plus nun – so die Befürchtungen – der lachende Sieger sein, ohne hohe Summen investieren zu müssen. Im Gespräch mit der “Welt” sagte der Präsident der Netzagentur, Matthias Kurth: “Wir bevorzugen niemanden.” Jeder Netzbetreiber habe die Möglichkeit, einen Antrag wie E-Plus zu stellen, sagte Kurth. “Es besteht Chancengleichheit.”
E-Plus fordert schon seit längerem die Freigabe dieser Frequenzen. Tatsächlich gibt es in Deutschland eine ungleiche Frequenzverteilung, weil die Mobilfunker zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Markt gestartet sind. Anfang der 90er-Jahre vergab der Bund Sendefrequenzen aus dem 900-Megahertz-Bereich an die damals noch staatliche Deutsche Telekom und an Mannesmann Mobilfunk (heute Vodafone). Die später gestarteten Netze von Viag Interkom (heute O2) und E-Plus hingegen bekamen Frequenzen im 1800-Megahertz-Bereich zugesprochen. Je höher die Megahertz-Zahl, desto kleiner sind die Funkwellen. Bei langwelligen Frequenzen, wie sie im 900-Megahertz-Bereich vorkommen, lassen sich dementsprechend größerer Gebiete mit weniger Sendemasten versorgen. Der Netzaufbau wird dadurch günstiger. Erst 2006 hatte die Netzagentur auch E-Plus und O2 mit 900-er Frequenzen ausgestattet, allerdings haben sie deutlich weniger bekommen als Telekom und Vodafone.
“Die ungleiche Ausstattung der Lizenznehmer in Deutschland mit Frequenzen hat bis zur Gegenwart erhebliche Verzerrungen des Wettbewerbs zwischen den vier Mobilfunknetzbetreibern nach sich gezogen”, sagte Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikation an der Uni Duisburg. Telekom und Vodafone halten etwa 70 Prozent des Marktes, die restlichen 30 Prozent teilen sich E-Plus und O2. Dass die Wettbewerbssituation von der Frequenzverteilung abhängt, hat auch die Europäische Kommission erkannt und fordert die EU-Mitgliedsländer auf, die Frequenzverteilung zu überprüfen und Frequenzbänder für weitere Dienste freizugeben.
Diese Prüfung bei der Netzagentur läuft noch und soll bis Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Es stehe außer Frage, dass die Netzagentur die 900-Megahertz-Frequenzen öffnen wolle, sagte Kurth. Auf welche Art das geschehe, sei aber noch nicht entschieden. Das gelte auch für eine mögliche Umverteilung. Der Entschluss, dem E-Plus-Antrag stattzugeben, sei keine Vorentscheidung, sagte Kurth.
“Eine Umverteilung von Frequenzen aus dem 900-Megahertz-Bereich ist überfällig, um Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen”, sagte hingegen E-Plus-Chef Thorsten Dirks. “Zusammen mit der Flexibilisierung könnten wir bei der Breitbandversorgung auf dem flachen Land dann in ganz andere Dimensionen vorstoßen.” Den Start sollen nun Regionen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz machen. “Das ist ein spürbarer und vor allem auch schneller Beitrag zur Beseitigung der weißen Flecke”, sagte der E-Plus-Chef. Im Vergleich zu den 800-er Frequenzen könnte E-Plus dort sogar im Vorteil sein. Das Unternehmen stützt sich bei 900 Megahertz auf vorhandene UMTS-Technik, die heute bereits in den Mobilfunknetzen genutzt wird.
Das Unternehmen will an den nun freigegebenen Standorten künftig den UMTS-Beschleuniger HSDPA anbieten, der Geschwindigkeiten von bis zu 21,6 Megabit pro Sekunde möglich macht. Zum Start sollen es aber vorerst nur 7,2 Megabit pro Sekunde sein. Das ist jedoch mehr, als ein durchschnittlicher DSL-Anschluss in Deutschland leistet. In diesen E-Plus-Hotspots können Nutzer künftig mit herkömmlichen Empfangsgeräten online gehen, wie sie heute schon genutzt werden.
Der Aufbau von LTE (Long Term Evolution) auf den teuren 800-Megahertz-Frequenzen ist für die E-Plus-Konkurrenten jedoch eher mühsam. Die Telekom will mit ihrem Regelbetrieb erst im April starten. Zwar lassen sich die Sendemasten relativ schnell umrüsten, doch es mangelt noch an einer größeren Zahl von Datensticks, mit denen Computer zum Empfang des drahtlosen Breitband-Internets ausgerüstet werden müssten. Außerdem benötigen die Netzbetreiber für jeden Sendestandort eine Genehmigung des Regulierers. Darüber hinaus müssen sie sich mit den Rundfunksendern abstimmen, die angrenzende Frequenzen nutzen, die möglicherweise gestört werden.
Allerdings ist auch E-Plus nicht ganz frei bei der Nutzung seiner 900-Megahertz-Frequenzen. Weil die Frequenzblöcke in direkter Nachbarschaft zu O2 liegen, müssen sich die Unternehmen einig werden, um sich nicht zu stören. Das Interesse an einer Einigung dürfte bei O2 begrenzt sein. Auch die Deutsche Bahn funkt mit einem eigenen Netz auf einer ähnlichen Frequenz und darf von E-Plus nicht beeinträchtigt werden. “Damit unterliegt E-Plus Bedingungen”, heiß es bei der Agentur, “die auch die Konkurrenten mit der digitalen Dividende berücksichtigen müssen”.
Bundesnetzagentur: E-Plus darf LTE-Internet anbieten - Handy Software Hardware - Laptops,Computer und Handys
17. Dezember 2010 at 18:57
[...] Anonyme Domains und Webspace » Blog Archive » Regulierer öffnet … [...]
rainergra_2010
21. Dezember 2010 at 20:45
Eines vorweg: Ich bin als freier Mitarbeiter für BASE/E-Plus im Internet unterwegs, um zum Thema Datennetz Infos zu liefern und mit zu diskutieren.
E-Plus bleibt damit seiner Strategie treu, die sie vor einigen Wochen nochmal bekräftigt hat mit der Ankündigung, das bestehende Netz massiv auszubauen und zusätzlich HSPA+-Stationen zu errichten. Dafür wurde E-Plus belächelt: Keine LTE-Frequenzen, keine Zukunft, war der Tenor in vielen Foren und Kommentaren.
Und die Aussage von E-Plus, man setze nicht auf LTE, sondern auf eine Technologie, für die es schon jetzt ausreichend Endgeräte gibt, wurde als nicht ernst zu nehmen abgetan. Die Beurteilung der Chancen von E-Plus, mit den anderen Anbietern beim Datennetz zumindest gleich zu ziehen, klingt jetzt schon viel positiver.
Rainer
base-netzbotschafter.de
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12. Januar 2011 at 19:15
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