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Archive for the ‘Abzocke’ Category

Internet Abzocke: Immer mehr suchen Rat

17 Nov

Die Neue Verbraucherzentrale im Land verzeichnet immer mehr Fälle von versuchter Abzocke im Internet und am Telefon. Die Preise für die kostenpflichtigen Beratungen werden 2012 leicht steigen.

Horrende Rechnungen für Kochrezepte aus dem Internet, die auf den ersten Blick gratis erscheinen, oder Gewinnversprechen am Telefon, die in teure Verträge münden – immer mehr Menschen wenden sich an die Beratungsstellen der Neuen Verbraucherzentrale im Land, weil sie  in Abo-Fallen und Lotterieverträge geraten sind. Inzwischen beziehen sich rund 40 Prozent aller Anfragen auf versuchte Abzocke, wie der Vorsitzende der Verbraucherzentrale in MV, Jürgen Fischer, sagt.

„Viele Menschen, die sich an uns wenden, sind sehr verzweifelt. Da hängen ganze Schicksale dran“, berichtet Fischer. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: „Die Betrogenen kommen zu 100 Prozent wieder aus den Abo-Fallen heraus.“

Oft würden sich die Betroffenen jedoch scheuen, zu protestieren, weil die Rechnung von einer Anwaltskanzlei oder einem Inkasso-Unternehmen komme. „Davon darf man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen“, rät der Rostocker Experte Matthias Wins.  Wenn die Kosten für ein Produkt auf einer Internetseite nicht ausreichend sichtbar gemacht würden, dann sei der vermeintliche Vertrag null und nichtig.

Generell sei die Nachfrage bei den Beratungsstellen  seit 2005 massiv gestiegen, so Fischer. Pro Jahr liege die Steigerungsrate zwischen fünf und zehn Prozent. Im Rekordjahr 2010 gab es demnach 123 000 Anfragen und Beratungen im Land. Hinzu kamen 66 000 Kontakte über Vorträge, Messen und sonstige Veranstaltungen. Zusätzlich zu den sechs Beratungsstellen in MV gibt  es  noch 26 Stützpunkte für Energieberatung.

Trotz der regen Nachfrage werden die Preise für die kostenpflichtigen Beratungsangebote im kommenden Jahr steigen, wie Fischer ankündigte.  Eine einfache Beratung werde dann voraussichtlich nicht mehr fünf, sondern sechs Euro kosten. Dies sei im Vergleich mit anderen Ländern immer noch wenig, betonte Fischer. So müsse man für ein entsprechendes Angebot in Nordrhein-Westfalen um die 20 Euro in die Hand nehmen. Eine Erhöhung sei deshalb vom Landesrechnungshof angemahnt worden. Laut Verbraucherschutzministerium ist zudem eine leichte Anhebung der Landesförderung für die Beratungsstellen geplant, die derzeit bei 580 000 Euro liegt.

Dem gegenüber stehen höhere Ausgaben: Von 2012 an müssen die deutschen Verbraucherzentralen für ihre kostenpflichtigen Beratungen 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. „Das ist völlig unverständlich“, ärgert sich Fischer. Während es Steuererleichterungen für Hotels gebe, werde die Arbeit mit Verbrauchern erschwert.

 
 

Internetbetrug: Wie sicher ist Facebook?

16 Nov

Facebook-Nutzer im Visier von Internetbetrügern: Mit angeblich kostenlosen iPhones werden User angelockt. Identitätsdiebe hacken Mitgliedskonten und missbrauchen sie. Ein neues Sicherheitssystem soll helfen. Doch das hat große Lücken, sagen Experten.

Tarnen, täuschen, abkassieren: Internetbetrug auf Facebook boomt. Auch deutsche Nutzer sind betroffen. Betrüger locken sie mit vorgeblich kostenlosen iPhones und Playstations.

Schadprogramme und teure Abos

Doch die Aussicht auf ein kostenloses Schnäppchen lässt viele Nutzer unvorsichtig werden. Sie klicken auf die Links, die mit solchen Tricks beworben werden. Die Links führen zu manipulierten Webseiten. Dort sollen den Nutzern gefährliche Schadprogramme oder teure Abonnements für Handyspiele und Klingeltöne untergeschoben werden.

Auch auf Zugangsdaten haben es die Cybergangster abgesehen. Denn wer Zugriff auf ein fremdes Facebook-Konto hat, kann die Identität des Users übernehmen. Er kann in dessen Namen Spam verschicken oder das fremde Konto für Betrügereien nutzen. US-Medien berichten von einem aktuellen Fall, in dem eine Lehrerin von einem Identitätsdieb um 2.000 Dollar geprellt wurde. Er hatte sich im Facebook-Chat als Schwester der Lehrerin ausgegeben und behauptet, das Geld dringend zu benötigen.

600.000 Problemfälle pro Tag

Jeden Tag zählt Facebook rund eine Milliarde Logins. Nur bei 0,06 Prozent komme es dabei zu Ungereimtheiten, teilte Facebook kürzlich mit. Das entspricht aber immerhin rund 600.000 Problemfällen pro Tag, die den Betreibern des weltgrößten Online-Netzwerks bei ihren Kontrollen auffallen.

Der Nutzer muss sich bei Ungereimtheiten als rechtmäßiger Account-Besitzer zusätzlich authentifizieren. So wird er etwa nach den Namen von Facebook-Freunden gefragt. Wer sie nicht kennt, muss draußen bleiben. “600.000 Mal pro Tag halten wir einen Bösewicht davon ab, Zugriff auf ein Konto zu bekommen, obwohl er die Login-Daten geraten, abgefischt oder gestohlen hat”, sagte Facebook-Sprecher Barry Schnitt dem US-Portal MSNBC. “Das ist etwas, worauf wir sehr stolz sind.”

Ein Passwort für alles

Weniger stolz dürfte man bei Facebook darüber sein, dass es immer noch genügend “Bösewichte” schaffen, fremde Konten zu hacken. Genaue Zahlen gibt es nicht. Doch das Problem ist offenbar so groß, dass Facebook nun die Notbremse zog und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ankündigte.

Cyberkriminelle, die ein Konto kapern, ändern meist das Passwort, sodass sich der rechtmäßige Inhaber nicht mehr einloggen kann. In diesem Fall könnte der Nutzer bei Facebook ein neues Passwort beantragen, das ihm dann per E-Mail zugeschickt würde. Viele User benutzen für Facebook- und E-Mailkonto jedoch dasselbe Passwort. Wer das Facebook-Passwort kennt, kann auch das E-Mailpostfach kontrollieren und verhindern, dass der Nutzer neue Zugangsdaten erhält.

“Vertrauenswürdige Freunde”

“Trusted friends” (“vertrauenswürdige Freunde”) sollen künftig helfen. Jedes Mitglied soll drei bis fünf Freunde benennen, denen Facebook im Fall der Fälle Codes zuschickt, mit denen der Nutzer wieder auf seine Profilseite kommt. Nur wer alle Code-Schnipsel in ein spezielles Formular eintippt, setzt das aktuelle Passwort außer Kraft und gelangt wieder auf die eigenen Seiten.

An sich eine schöne Idee, die Cyberkriminelle aus gehackten Konten wieder aussperren soll. Facebook will das neue Konzept schrittweise in den nächsten Wochen für alle Nutzer umsetzen. Doch die schöne, neue Sicherheitslösung hat große Lücken, sagt Graham Cluley vom Sicherheitsunternehmen Sophos.

“Ziemlich sinnlos”

Es sei nämlich durchaus denkbar, dass der Hacker im gekaperten Account nicht nur die Passworte, sondern auch die “vertrauenswürdigen Freunde” auswechselt. Zu diesem Zweck muss er nur drei bis fünf Dummy-Accounts anlegen, sich mit diesen “befreunden” und sie anschließend zu jenen besten Freunden machen, die bei gehackten Konten helfen sollen. Das mache die neue Sicherheitsmaßnahme letztlich “ziemlich sinnlos”, meint Cluley.

 
 

Angeklagter versäumt Prozess um Internet-Abzocke

12 Nov

Der Prozess war mit Spannung erwartet worden: In Hamburg sollte sich die mutmaßlichen Täter für Internet-Abzocke in Millionenhöhe vor Gericht verantworten. Doch die Verhandlung musste gleich zu Beginn vertagt werden.

Acht Betrüger sollen knapp 70.000 Internet-Nutzer zwischen 2007 und 2010 um mehr als 5,3 Millionen Euro gebracht haben. Für die Abzocke im großen Stil müssen sich seit Montag sieben Männer und eine Frau vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Doch die Verhandlung musste gleich zu Beginn auf Mittwoch verschoben werden: Ein 33 Jahre alter Angeklagter erschien nicht vor Gericht. Ihn habe die Ladung nicht erreicht, weil er gerade auf Norderney arbeite und seine Post dorthin nicht weitergeleitet werde, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt erklären.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem banden- und gewerbsmäßigen Betrug vor. Mit Scheinfirmen betrieben sie demnach Download-Portale im Internet. Sie sollen mehrere hunderttausend Menschen, die auf der Suche nach eigentlich kostenloser Software waren, auf ihre trickreich gestalteten Internetangebote gelenkt haben. “Hierzu nutzten sie ausgefeilte Techniken, um die Geschädigten, die nach einer kostenlosen Downloadmöglichkeit etwa für das Programm “Adobe Reader” suchten, auf von ihnen zuvor präparierte Web-Seiten zu leiten”, erklärte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers.

Nach der Registrierung bekamen die Nutzer, die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen, per E-Mail eine Bestätigung für einen zwölfmonatigen Abo-Vertrag zugeschickt. Rund 60 Euro sollten sie dafür bezahlen. In der Mail wurde wiederum auf eine Web-Seite verlinkt, auf der sich die Kunden angeblich angemeldet hatten, und auf der die Kosten tatsächlich standen. Wenn die Nutzer nicht zahlten, sollen die Angeklagten über einen Hamburger Rechtsanwalt sogar Mahnschreiben an ihre Betrugs-Opfer geschickt haben. Ein 31 Jahre alter Angeklagter räumte die Taten im Vorfeld bereits ein. Bis auf einen 28-Jährigen, der als Kopf der Bande gilt und in Untersuchungshaft sitzt, sind die Angeklagten auf freiem Fuß. Für den Prozess vor dem Hamburger Landgericht wurden zunächst Termine bis Ende Januar 2012 angesetzt.

Leidiges Dauerproblem

Abofallen im Internet sind aus Sicht von Verbraucherschützern ein Dauerproblem. “Die Fallen lauern hinter den verschiedensten Themen”, sagte Jutta Gurkmann vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin. “Die Bandbreite reicht von Kochrezepten über Mode-Outlets bis hin zu Routenplanern.” Daher seien auch nicht nur alte Menschen oder Kinder von dem Problem betroffen, sondern alle Bevölkerungsschichten und Bildungsstufen. Eine genaue Zahl der Fälle sei nur schwer zu ermitteln. Die Verbraucherschützer hoffen auf neue gesetzliche Regelungen.

Die Bundesregierung hatte im August einen Gesetzentwurf beschlossen, der Internet-Anbieter verpflichtet, ihre Nutzer mit einem deutlichen Hinweis über den genauen Preis eines Angebots zu informieren. Erst nach einem Mausklick auf eine entsprechende Schaltfläche (“Button”) mit der Bestätigung der Zahlungsinformation gehen die Verbraucher eine Zahlungsverpflichtung ein.