Die Neue Verbraucherzentrale im Land verzeichnet immer mehr Fälle von versuchter Abzocke im Internet und am Telefon. Die Preise für die kostenpflichtigen Beratungen werden 2012 leicht steigen.
Horrende Rechnungen für Kochrezepte aus dem Internet, die auf den ersten Blick gratis erscheinen, oder Gewinnversprechen am Telefon, die in teure Verträge münden – immer mehr Menschen wenden sich an die Beratungsstellen der Neuen Verbraucherzentrale im Land, weil sie in Abo-Fallen und Lotterieverträge geraten sind. Inzwischen beziehen sich rund 40 Prozent aller Anfragen auf versuchte Abzocke, wie der Vorsitzende der Verbraucherzentrale in MV, Jürgen Fischer, sagt.
„Viele Menschen, die sich an uns wenden, sind sehr verzweifelt. Da hängen ganze Schicksale dran“, berichtet Fischer. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: „Die Betrogenen kommen zu 100 Prozent wieder aus den Abo-Fallen heraus.“
Oft würden sich die Betroffenen jedoch scheuen, zu protestieren, weil die Rechnung von einer Anwaltskanzlei oder einem Inkasso-Unternehmen komme. „Davon darf man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen“, rät der Rostocker Experte Matthias Wins. Wenn die Kosten für ein Produkt auf einer Internetseite nicht ausreichend sichtbar gemacht würden, dann sei der vermeintliche Vertrag null und nichtig.
Generell sei die Nachfrage bei den Beratungsstellen seit 2005 massiv gestiegen, so Fischer. Pro Jahr liege die Steigerungsrate zwischen fünf und zehn Prozent. Im Rekordjahr 2010 gab es demnach 123 000 Anfragen und Beratungen im Land. Hinzu kamen 66 000 Kontakte über Vorträge, Messen und sonstige Veranstaltungen. Zusätzlich zu den sechs Beratungsstellen in MV gibt es noch 26 Stützpunkte für Energieberatung.
Trotz der regen Nachfrage werden die Preise für die kostenpflichtigen Beratungsangebote im kommenden Jahr steigen, wie Fischer ankündigte. Eine einfache Beratung werde dann voraussichtlich nicht mehr fünf, sondern sechs Euro kosten. Dies sei im Vergleich mit anderen Ländern immer noch wenig, betonte Fischer. So müsse man für ein entsprechendes Angebot in Nordrhein-Westfalen um die 20 Euro in die Hand nehmen. Eine Erhöhung sei deshalb vom Landesrechnungshof angemahnt worden. Laut Verbraucherschutzministerium ist zudem eine leichte Anhebung der Landesförderung für die Beratungsstellen geplant, die derzeit bei 580 000 Euro liegt.
Dem gegenüber stehen höhere Ausgaben: Von 2012 an müssen die deutschen Verbraucherzentralen für ihre kostenpflichtigen Beratungen 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. „Das ist völlig unverständlich“, ärgert sich Fischer. Während es Steuererleichterungen für Hotels gebe, werde die Arbeit mit Verbrauchern erschwert.